Bemerkenswerter Wiederfund einer Flussseeschwalbe

 

Ein Bericht von unserem Vereinsmitglied Burkhard Lehmann

 

Die deutschen Brutpopulationen der Flussseeschwalbe (Sterna hirundo) galten bis vor kurzem als klassische Westzieher, die über die Nordsee und die europäische Atlantikküste ihre Winterquartiere an und vor der west- und südafrikanischen Küste erreichen (Bairlein et al. 2014). Erst durch ein seit 2010 in den Salinen von Atlit in Israel laufendes Beringungsprojekt ergaben sich Hinweise, dass auch eine östliche Zugroute genutzt wird, die über das östliche Mittelmeer und das Rote Meer Tiere der ost- und südosteuropäischen Populationen nach Ost- bzw. wiederum Südafrika führt. Bisher waren neben etwa 100 Ringfunden von Südostziehern aus Ost- und Südosteuropa (v. a. Polen, Tschechien, Ukraine, Rumänien, Bulgarien) nur drei Wiederfunde deutscher Brutvögel in Israel und zwei weiterer in Israel beringter Vögel aus Ostdeutschland bekannt (Yosef Kiat briefl. 06/2018, Heinicke, Hermann & Köppen 2016). Diese Nachweise stellten bisher die westlichsten Belege für Südostzieher dar und lagen schwerpunktmäßig im Bereich der Oder­linie.

 

Durch die Ablesung einer dritten in Israel beringten Flussseeschwalbe im Saalekreis gelang nun erstmalig der Nachweis, dass auch Vögel der deutschen Binnenlandpopulation aus deutlich weiter westlich gelegenen Gebieten über die Südostroute ziehen (können).

Der Vogel mit der Farbkennung GF9 (schwarz) und dem Metallring IBCR Israel DD-27918 wurde auf dem Frühjahrszug am 09.05.2018 in den Salinen von Atlit durch Yosef Kiat vom Israel Ornithological Center beringt und konnte erstmalig am 16.06.2018 in der Kiesgrube Burgliebenau/ Lössen abgelesen werden. Die Entfernung von 2.787 km Luftlinie hat die Flussseeschwalbe in 38 Tagen zurückgelegt. Das vermutlich weibliche Tier und sein unberingter Partner haben 2018 mit zwei weiteren Paaren versucht, in der Kiesgrube Burgliebenau/ Lössen zu brüten, so dass bis Anfang Juli noch mehrere Feststellungen des Vogels gelangen. Insbesondere aufgrund der starken Schwankungen des Wasserstandes im Juni blieben hier jedoch alle Bruten erfolglos. Der Verbleib von GF9 nach dem Abbruch der Brut ist leider unklar, eine spätere Feststellung in den benachbarten Brutkolonien im Raßnitzer See bzw. im Geiseltal gelang nach bisherigen Recherchen nicht.

 

 

Literatur:

Bairlein, F., Dierschke, J., Dierschke, V., Salewski, V., Geiter, O., Hüppop, K., Köppen, U. & Fiedler, W. (2014): Atlas des Vogelzuges. Ringfunde deutscher Brut- und Gastvögel. AULA-Verlag GmbH. Wiebelsheim. 567 S.

Heinicke, T.; Herrmann, C. & U. Köppen (2016): Migration und Ansiedlungsverhalten ausgewählter Küstenvogelarten (Charadriidae, Laridae, Sternidae) in Mecklenburg-Vorpommern – Eine Auswertung von Ringfunden -. Natur und Naturschutz in Mecklenburg-Vorpommern 44/2016: 1-192.





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