Vom Graureiher im südlichen Saalekreis 

 

Ein Bericht von unserem Vereinsmitglied Arnulf Ryssel

 

Das Saaletal und die Elster-Luppe-Aue bei Merseburg sind Graureiherland. Die abwechslungsreichen Lebensräume dieser Niederung waren und sind die Voraussetzung für eine arten- und individuenreiche Pflanzen - und Tierwelt.

 

In den letzten 100 Jahren veränderte sich diese Landschaft sehr. Es war die Begradigung der Saale und die Verlegung der Luppemündung sowie der Bau des Mittellandkanals Südflügel, der allerdings wegen des 2. Weltkrieges nicht vollendet wurde, der Bau der Buna-Werke mit ihren immensen Gas- und Staubbelastungen, der Bau der eingedämmten Flutrinne, in der die Weiße Elster während des Baus des neuen Elster-Flutbettes floss, der Aufschluss und der Betrieb der Braunkohlentagebaue Merseburg-Ost, aus denen nach deren Flutung der Wallendorfer und Raßnitzer See hervorging, und die Errichtung der längsten Eisenbahnbrücke Deutschlands für die Schnellbahnstrecke Nürnberg-Berlin.

Diese Veränderungen haben den Lebensraum für den Graureiher nicht grundsätzlich zerstört. Auf den als Mähwiesen und Weiden genutztem Grünland erbeutet er viele Mäuse und andere Kleinsäuger und knackt sogar Teichmuscheln im flachen Wasser. Er ist allenthalben an den Rändern der Gräben, auch zwischen dem Weidevieh, und an den zurückgebliebenen Lachen nach dem Hochwasser anzutreffen.

 

Von Beginn des 20. Jahrhunderts an haben wir Nachrichten über das Vorkommen dieses schmucken Großvogels. Aus dem Jagdtagebuch des Privatförsters derer von Trotha auf Schloß Schkopau, Berger,  erfahren wir, dass 1908 fünf bis sechs Paare Graureiher im Kollenbeyer Holz brüteten.

Dieser gesellige Reiher legt seine umfangreichen Reisighorste in den Spitzen hoher Rüstern (Ulmen), Pappeln , Eichen und Eschen an. Die Kolonie hat sich recht wechselhaft entwickelt, hat aber ununterbrochen bestanden. Verlässliche Zahlen nennt Herbert Kummer für die Jahre 1936 mit 27 Horsten und 1939 mit 36 besetzten Horsten. Auch im 2. Weltkrieg  hatte die Kolonie Bestand, obwohl die Ornithologen im 33 ha großen Auenwald 60(!) Bombentrichter zählten.

Der Höhepunkt des Vorkommens wurde 1990 mit 420 besetzten Horsten erreicht. Ständig waren Graureiher auf den Wiesen und bei Nahrungsflügen zu beobachten. Die Gemeinde Schkopau hat sogar einen Reiher in ihr neues Wappen aufgenommen. Auch die Fachgruppe gab sich ein Signet mit einem Graureiher, welches unser ehemaliges Fachgruppenmitglied Franz Plaschka in den 60-er Jahren des vorigen Jahrhunderts entwarf.

Erst nach dem Jahre 2004 gingen mit dem allgemeinen Rückgang des Graureiherbestandes die Brutpaarzahlen zurück. 2010 hatten 56 Paare ihre Horste bezogen bzw. neu gebaut. Da erkletterte eine Horde unserer „Neubürger“ der Tierwelt, die Waschbären, die Horstbäume und räumten die Eier aus fast allen Nestern aus. Alle Reiherpaare verließen die Kolonie und brüteten auch in den Folgejahren nicht mehr im Holz. Nach 102 Jahren verwaiste die Kolonie! Die neu angelegten Kolonien im Lochauer Schilf (Deponie) und auf der Rabeninsel in Halle bestanden nur 1-2 Jahre.

Der Verfasser dokumentierte die Brutpaare von 1960 bis heute. In den Jahren 1932 bis 1938 beringten Herbert Kummer (Halle) und von 1962 bis 1993 die Beringer unserer  Fachgruppe  Jürgen Traxdorf, Siegfried Kunze, Franz Plaschka und Wolfgang Ufer 225 nestjunge Graureiher. 30 beringte Graureiher wurden gefunden, erbeutet, erlegt. Die meisten Rückmeldungen kamen aus Deutschland, weitere aus Südwesteuropa. Den weitesten Flug unternahm  1964 ein Reiher bis Mauretanien am Senegalfluss in Afrika.

 

Ab 2012 legten die großen Vögel auch bei uns, wie anderswo, mehrere kleine Kolonien im Schilf der neu entstandenen Seen in der Aue und im Geiseltal sowie in kleinen Gehölzen an. Ab 2012 wurden im südlichen Saalekreis 28, 25, 24, 25 und 2016 schon 66 besetzte Graureiherhorste gezählt.

Die Fachgruppe schenkt ihrem „Wappenvogel“ auch weiterhin die gebührende Aufmerksamkeit.





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